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Baustart an der "Klinge10"
Baustart an der "Klinge10"

Gemeinschaft statt Kapitalinteressen

Leipzig wächst rasant, das macht sich auch bei den Mieten bemerkbar. Doch statt Grundstücke zum Höchstpreis zu veräußern, investiert die Stadt in neue Konzepte, um ein attraktiver und diverser Ort zum Leben zu bleiben. Ein Beispiel ist die „Klinge10“.

 

Nur wenige Grad über null sind es an diesem letzten Sonntag im November. Doch das hält die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner der „Klinge10“ nicht davon ab, hier auf der grau-grünen, ziemlich zugewucherten Wiese zusammenzukommen, die Feuerschale anzuwerfen und gleich den Spatenstich zu wagen.


David Slaby hat gerade gut gekühlten Sekt auf ein paar Becher verteilt, nun legt er noch Holzscheite nach. Es ist nasskalt, doch die Stimmung ist bestens. Alle freuen sich, dass in wenigen Tagen nun tatsächlich der Bagger anrollen wird. Alle, das sind momentan zwölf Erwachsene und 15 Kinder, die hier in knapp anderthalb Jahren einziehen wollen. 


Endlich geht es los, nach unzähligen Besprechungen und Diskussionen rund ums Haus, hier im Leipziger Westen in der Klingenstraße 10. Die Sitzungen im Plenum, fast wöchentlich über drei Jahre hinweg, haben viel Energie und Kraft gekostet, sagt Slaby. Doch der 35-jährige Leipziger hat immer noch Lust auf das Projekt. 

Obwohl er nicht einmal Eigentümer sein wird: „Wir bauen ein Haus, das im Endeffekt niemandem gehört außer den Leuten, die im Haus wohnen. Aber auch nur solang sie im Haus wohnen. Und eigentlich gehört es denen auch nicht. Das ist ja das Geniale an diesem Prinzip vom Mietshäusersyndikat, dem wir uns angeschlossen haben.“ 

Das Bauland kommt von der Stadt, verpachtet für 99 Jahre. 3400 Euro Pachtzins jährlich muss die Gruppe zahlen. Ein guter Deal, wenn man bedenkt, dass der Immobilienmarkt in Leipzig boomt und gerade jede kleine Lücke zugebaut wird. Leipzig ist in den letzten 15 Jahren um 100.000 Einwohner gewachsen. Diese nun 600.000 Menschen brauchen Wohnraum, bestenfalls bezahlbar. Deshalb habe sich Leipzig entschieden, so Slaby, einige städtische Grundstücke nicht nach dem Höchstgebot, sondern anhand nachhaltiger Konzepte zu vergeben.

 

Hier gibt es den Länderreport von Deutschlandfunk Kultur zu hören: 

ein Beitrag von:
Ronny Arnold


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ronny.arnold_at_mediendienst-ost.de
über den Autor
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Jahrgang 1975, aufgewachsen in Sachsen und seit 2003 beim Mediendienst Ost. Vorher Studium der Soziologie, Journalistik und Politikwissenschaft an der Universität Leipzig und in Middlesbrough (UK). Ich arbeite als Autor für öffentlich-rechtliche Hörfunkanstalten der ARD (u.a. DLF, MDR, WDR, DLF Kultur, SWR, BR), als Tonassistent bei Fernsehproduktionen, Autor für Fernsehbeiträge und schreibe ab und an Texte für Zeitungen, Online-Portale und Magazine.

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