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Vorlesefriseur

Besuch beim Vorlesefriseur

Einen der wenigen Entspannungsmomente, den man sich in diesen eingeschränkten Corona-Zeiten durchaus gönnen darf, ist der Besuch beim Friseur. Der kann noch Kunden empfangen. Kulturveranstaltungen hingegen sind, fast überall, untersagt. Lesungen vor Publikum etwa dürfen derzeit keine stattfinden. Wie praktisch deshalb, wenn die Lesung beim Friseur stattfindet. Okay, also nicht ganz klassisch, weil statt entspannt zuhören muss man beim „Vorlesefriseur“ selbst ran. Also dem Friseur vorlesen. Dafür bekommt man eine schicke Frisur. Zum Vorlesetag am vergangenen Freitag hat der Leipziger Klett Kinderbuch Verlag deshalb den Vorlesefriseur zu sich eingeladen. Dazu eine junge Kundschaft, über den Nachmittag verteilt. Wegen Corona. Ronny Arnold war für uns dabei. 

Was ist eckig, total gesund und beleidigt? Mhmm, schwer. Auf dem Bild sehe ich einen Toast, grantig, im Sofa sitzend. Ein Schmollkornbrot! Der war gut. Mein Lieblingswitz.

Während Danny Beuerbach Emils Haare schneidet, liest dieser ihm aus: „Was sitzt im Wald und winkt?“ vor. Gerade eben hat der Siebenjährige auf dem kleinen Friseurhocker Platz genommen. Unter seinen Füßen liegt ein großer, bunter Teppich, um ihn herum ein halbes Dutzend Bücher. Emil ist zu Besuch in der riesigen Villa des Klett Kinderbuch Verlages. Was seine Frisur betrifft, da hat er klare Vorstellungen. 

Dass hier die Haare ein bisschen kürzer sind, also an der Seite, oben nicht. Also eigentlich wie immer. 

Wie immer, doch ganz so ist das heute hier nicht. Emil war schon einige Male beim Friseur, erzählt seine Mutter, die auf dem Sofa gegenüber sitzt – und zuschaut.

Ich verfolge den Klett Kinderbuch Verlag bei Facebook und habe die Aktion gesehen zum Weltvorlesetag. Und fand das ziemlich witzig und hab meinen Sohn gefragt, ob er Lust drauf hätte, dem Friseur mal was vorzulesen. Weil er sonst dort immer still sitzen muss und das fand er gut.

 

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ein Beitrag von:
Ronny Arnold


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über den Autor
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Jahrgang 1975, aufgewachsen in Sachsen und seit 2003 beim Mediendienst Ost. Vorher Studium der Soziologie, Journalistik und Politikwissenschaft an der Universität Leipzig und in Middlesbrough (UK). Ich arbeite als Autor für öffentlich-rechtliche Hörfunkanstalten der ARD (u.a. DLF, MDR, WDR, DLF Kultur, SWR, BR), als Tonassistent bei Fernsehproduktionen, Autor für Fernsehbeiträge und schreibe ab und an Texte für Zeitungen, Online-Portale und Magazine.

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