Die Autoren

Verbotene Berufe - Frauen unerwünscht

Sie sind LKW-Fahrerin Rettungstaucherin oder Kapitänin. Und haben in Russland Berufsverbot, denn dort sind diese Berufe gesetzlich Männern vorbehalten. Doch Russland starke Frauen begehren auf. 

Eine Reportage für ARTE Re:

teaserbild

Sie ist Rettungstaucherin von Beruf, Oxana Chevalier. Arbeiten darf sie in Russland nicht mehr. Aus einem einzigen Grund: Sie ist eine Frau. 

Unser staatliches System sieht vor, dass nur Männer diese Jobs machen, weil wir in einer sehr militarisierten Struktur leben.

Das Gesetz, wonach Frauen in bestimmten Berufen nicht arbeiten dürfen, stammt noch aus sozialistischen Zeiten. Als es 1974 in Kraft tritt, will die Regierung die Geburtenrate ankurbeln. Frauen sollen keine körperlich schwere Arbeit leisten – sie sollen Mütter werden und bräuchten deshalb zusätzlichen Schutz, so die Argumentation. Grenzwerte für arbeitsbedingte Belastungen sind deshalb für Frauen wesentlich niedriger als für Männer und damit sind rund 450 Berufen für sie tabu. Holzfällerinnen, Kapitäninnen oder Lokführerinnen soll es nicht mehr geben. Das Gesetz ist mehr als ein Relikt aus alter Zeit. Bis heute wurde es von der Regierung mehrfach bestätigt. Lange war es zwar in Vergessenheit geraten und wurde kaum beachtet, doch Russlands zunehmende Autokratisierung führ dazu, dass immer mehr Frauen um ihren Job kämpfen müssen. So wie Oxana. 

Vor rund 10 Jahren hat Oxana ihre Kariere als Juristin an den Nagel gehängt und ging zum Katastrophenschutz. Gegen den Willen ihrer Familie. Für die Arbeit als Lebensretterin riskierte sie den Bruch. Damals fand sie eine Weg, durfte als Rettungstaucherin Doch dann wechselte die Geschäftsführung des Katastrophenschutzes und plötzlich sollten alle Frauen aus dem aktiven Dienst an den Schreibtisch versetzt werden. Ein Leben am Schreibtisch kann sich Oxana nicht vorstellen. Sie kündigt ihren Job.

Es ist so: Du gehst einen bestimmten Weg, dir gefällt alles auf diesem Weg – du fühlst, du bist im Fluß. Und dann, völlig unerwartet, wenn du gerade aufgeblüht bist, fällt ein Hindernis wie ein Schneeball vom Himmel. Und klar, das entmutigt dich, weil du gar nicht weißt, wie du damit umgehen sollst. Natürlich ist das ein Schmerz, eine Kränkung, weil Du auch nicht verstehen kannst, warum das so passiert.

Anstatt als Rettungstaucherin zu arbeiten, bildet die 44-jährige jetzt Rettungstaucher aus. Vor rund einem Jahr hat Oxana ihre eigene Tauchschule gegründet. Heute zeigt sie ihren Schülern, wie man im russischen Winter mit dem Trockenanzug taucht. Und sie engagiert sich im freiwilligen Rettungsdienst - das ist erlaubt, solange sie dabei kein Geld verdient. 

teaserbild

Regie: B. Arnold

Kamera: A. Czock

Schnitt: C. Nagel

Eine Produktion des MDR, 2019 

 

Bildrechte: Ben Arnold

ein Beitrag von:
Ben Arnold


0341 30 67 988
ben.arnold_at_mediendienst-ost.de
über den Autor
profilbild

Ben Arnold arbeitet als Autor und Regisseur für Film und Fernsehen. Seine Dokumentationen und Reportagen verbinden das menschlich Nahe, Schicksale und Geschichten, mit politischen Kontexten. Er publiziert investigative Beiträge im politischen Magazin der ARD "Fakt" und ist als Videojournalist für Arte in ganz Europa unterwegs. Von seinen Reisen bringt er immer wieder spannende Geschichten mit, die sich in unterschiedlichen Formaten erzählen lassen. Studiert hat er Medienkultur, Politikwissenschaft und audiovisuelle Kommunikation in Bremen und Valencia.

Der tschechische Trump
03.09.2017

Wird Europa bald von Großunternehmern und Multimillionären à la Trump regiert? Zumindest in Tschechien könnte es im Herbst 2017 dazu kommen. Doch kurz vor der Wahl gerät Babiš in die Schlagzeilen. Eines seiner Unternehmen soll Subventionsbetrug mit EU-Fördergeldern begangen haben.
Ben Arnold

Sachsenburg - Das vergessene KZ
28.01.2019

Idyllisch am kleinen Fluss Zschopau gelegen, steht in Sachsenburg bei Chemnitz ein monumentaler Fabrikkomplex: Die alte Baumwollspinnerei war ab 1933 ein frühes Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Hier wurden tausende Häftlinge inhaftiert und gefoltert, einige ermordet. Doch bis heute gibt es in Sachsenburg keine offizielle Gedenkstätte. Das einstige KZ ist in Vergessenheit geraten.