Zirkomania in Leipzig

Tanz, Theater, Artistik, Clownerie, Phantasie und eine gemeinsame Vision, was Zirkus alles sein kann – das eint vier junge zirkus-begeisterte Leipziger. Kennengelernt haben sich die Vier bei unterschiedlichen zirkuspädagogischen Projekten und auf so manch anderen Bühnen. Dieses Jahr veranstalten sie zum zweiten Mal ihr Zirkusfestival im Leipziger Westen.

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Zirkomania in Leipzig – ein Zirkusfestival zum Mitmachen

Eine grüne Freifläche in Leipzig Plagwitz, zwischen Konsumzentrale und Karl-Heine-Kanal. Die Sonne scheint auch an diesem Tag unerhört heiß. Mehrere Leute, Männer und Frauen, schlagen mit großen Hämmern Eisenstangen in den Boden. Sechzig Zentimeter tief müssen die Stangen im harten Untergrund verschwinden. Denn am Abend soll es stehen: das große Zirkuszelt. Weiter hinten auf dem Gelände steht ein kleiner Zirkuswagen. Im Schatten sitzen noch mehr Helfer, alles Freiwillige die beim Zirkusfestival Zirkomania mithelfen. Eine von ihnen ist Katja Dörner.

Wir falten jetzt gerade eine Anwohnerinfo um das noch zu verteilen, damit die uns wohl gesonnen sind. Ich bin mit im Orga-Team und habe mich mit hier eingebracht, weil ich mal wieder etwas Sinnvolles zu tun brauchte. Wenn es schon kein Geld gibt, dann wenigstens Sinn. Ich mag das, dass solche Sachen hier sein können und entstehen.

 

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Zirkomania, so heißt das Leipziger Zirkusfestival im Westen von Leipzig. Initiiert wurde es von vier jungen Zirkuspädagogen, allesamt  aus Leipzig. Ihre Vision, erklärt Martin Kiefer, von Beruf Clown.

Wir sind alle ambitionierte Künstler beziehungsweise Zirkuspädagogen mit relativ viel Erfahrung. Und uns fehlen in Leipzig einfach die Bühnen und Präsentationsflächen und die Anerkennung. Und unsere Vision ist einfach das voran zu treiben. Und den Leuten zu zeigen, dass Zirkus etwas anderes sein kann.

Ob Anwohner, Freunde, Enthusiasten, Groß und Klein – sie alle sind eingeladen, am Festival mitzuwirken. Anne Kauer, Schauspielerin, Akrobatik-Artistin und Mitbegründerin von Zirkomania.

Das geht in Richtung Beteiligung, dass wir immer  Möglichkeiten schaffen, dass sich jemand beteiligen kann. Und das ist auch schon gedacht, weil wir nicht nur so Hilfe brauchen, sondern weil wir auch gern wollen dass die Anwohner sich beteiligen, dass Leute hier die Möglichkeit haben aktiv zu werden und auch selbst aktiviert zu werden.

Domptierte Löwen, Elefanten mit Hütchen und halsbrecherische Hochseilartistik  sucht man beim Zirkomania-Festival aber vergebens. Stattdessen überall Kinder, die jonglieren, junge Frauen mit Hulahoop-Reifen, Clowns in phantasievollen Klamotten, burlesk gekleidete Damen und umher fliegende Feuerkugeln und Fackeln am Abend. Das Publikum gemischt, jung  und alt beisammen. Und viele probieren sich aus. Die Zirkomania-Truppe hat sich dem so genannten Cirque Nouveau, dem zeitgenössischen Zirkus verschrieben. Es geht mehr darum Geschichten zu erzählen und um Bewegung als sich auf große  Attraktionen zu stützen.

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Eine Woche lang warteten jeden Morgen um neun an die 50 Kinder darauf, zu jonglieren, auf Stelzen zu laufen, etwas pantomimisch darzustellen oder sich als Clown zu versuchen.

Am Wochenende gab es dann eine gemeinsame Aufführung vor Publikum. Einige der Plätze haben die Zirkomania-Macher für Kinder reserviert, die sonst womöglich nicht zu so einem Workshop kommen würden, sagt Jacob Kaller, ebenso Gründer von Zirkomania und erfahrener Zirkuspädagoge.

Von dem sozialen Anspruch haben wir Kinder nur durch die Familienhilfe erreicht. Also dass ich die Familienhilfe direkt angesprochen habe und kontaktiert habe. Und so sind jetzt 10 Prozent der Plätze an Kinder aus sozial benachteiligten Familien kostenfrei vergeben wurden.

 

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Zirkomania – kreativ und sozial vernetzt

Vernetzt haben sich die Zirkomania-Macher nicht nur mit der Familienhilfe, sondern auch mit anderen Vereinen und Trägern. So auch mit dem Netz kleiner Werkstätten, die zum Abbau des Zirkuszeltes Jugendliche vorbeischicken, die bisher durch alle Raster gefallen sind und als schwer erziehbar gelten. Auch das eine Vision der Festivalmacher, sich Randgruppen öffnen und gemeinsam an einem Projekt arbeiten. Doch noch fließen ausschließlich Zeit und Leidenschaft in das Projekt, institutionell gefördert wird man noch nicht.

Keiner von uns wird bezahlt. Wir machen das alles  ehrenamtlich, im Schnitt eine 20 Stunden-Woche. Es geht nicht ohne Zusammenbrüche, es ist soviel Arbeit an 30 Baustellen gleichzeitig zu hängen…Telefon klingeln. Ah jetzt geht hier mein Telefon, sehen sie der Organisator … lacht….

Doch man wird schnell gewahr, dass sich das Herzblut lohnt. Die vormals freie Fläche hat sich eine Woche lang in ein buntes einladendes Treiben verwandelt. Am Abend besser besucht, als am Tag. Die Sonne schien einfach doch zu heiß.

 

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Am Abend lockten Shows die Besucher an, wie zum Beispiel das Clowns-Revenge—Theater, ein Wettstreit  dreier Pantomimekünstler gegen vier Clowns. Martin Kiefer, der Orga-Chef von Zirkomania steht dann weiß geschminkt, mit dunkel blau gezeichneten Lippen und zwei kleinen roten Punkten an der Wange als Pantomime Tete auf der Bühne.

Morgen wird dann das Zirkuszelt wieder abgebaut. Die Zirkomania-Leute aber wollen weiter arbeiten, an ihrer Vision vom zeitgenössischen Mitmach-Zirkus in der Stadt.

 

Zirkomania Radio-Beitrag zum Anhören MDR akzente

 

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