März, 2014

Woran hakt es beim Ausbau des Striegistal-Radwegs?

Natur erleben und sich dabei bewegen: Für immer mehr Menschen in Sachsen gewinnt genau das an Bedeutung - weg von der Straße und rauf auf‘s Rad. Doch einen Radweg zu planen und zu bauen, ist manchmal nicht ganz einfach. Denn Land und Kommunen stehen immer wieder vor der Aufgabe, beim Ausbau auch dem Naturschutz Rechnung zu tragen.

Radiobeitrag MDR info – Hörer machen Programm

Fernsehbeitrag MDR um 11 – Sie machen Programm

 

radweg 03

Entlang an Birkenwäldern und der kleinen Striegis, die geruhsam vor sich hinplätschert, führt ein Radweg von Hainichen in Richtung Roßwein. Doch schon nach gut einem Kilometer endet die Strecke plötzlich. Rainer Merkel kennt den Grund. Er ist Sprecher der Bürgerinitiative „Striegistalradweg“, die sich seit Jahren für den Ausbau einsetzt: „Es hängt nicht an der Finanzierung, sondern es hängt ausschließlich daran, dass Bedenken vom Naturschutz bestehen, dass Radfahrer seltene Tiere stören könnten.“

Verkehrsrecht für Strecke ist erloschen

Schon 2005 hat die Stadt Hainichen begonnen, den Radweg zu entwickeln. Doch bis auf zwei kurze Stücke des 18 Kilometer lang geplanten Radwanderweges ist bisher noch nichts weiter ausgebaut. Der Radweg soll entlang einer alten Bahnstrecke verlaufen. Ein ganzes Jahrhundert fuhren hier Züge durch das Striegistal. Dass die Strecke nun nicht einfach so zu einem Radweg umgebaut werden kann, scheint vielen unverständlich – auch Dieter Greysinger, Bürgermeister von Hainichen: „Es liegt an Umweltgesetzen, die meines Erachtens keiner verstehen kann. Nämlich, dass hier an einer Strecke, die hundert Jahre als Bahnstrecke gedient hat, jetzt Radfahrer stören sollen. Aber diese Gesetze wurden halt irgendwann mal beschlossen.“ Nach diesen Gesetzen ist mit dem Ende der Bahn auch das Recht erloschen, die Strecke für anderen Verkehr zu nutzen, und sei es nur für den Radverkehr.

Natur- und Umweltschutz müssen berücksichtigt werden

Mittlerweile ist das Striegistal zu einem Europäischen Vogelschutzgebiet erklärt worden. Und genau das zögert den Ausbau so hinaus, erklärt Florian Schaefer, Pressesprecher des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr: „Wichtig ist aber, dass diese Trasse, die durch den Striegistalradweg führt, durch ein Naturschutzgebiet, ein sogenanntes FFH – Flora-Fauna-Habitat-Gebiet – durch ein Volgelschutzgebiet führt. Diese Tatsache macht die Planung für die Trasse unglaublich schwierig und unglaublich aufwendig, weil eben die natur- und umweltschutzrechtlichen Belange besonders berücksichtigt werden müssen.“

radweg 05

Umweltverbände zeigen sich gesprächsbereit

Unter anderem brütet in den wärmeren Monaten hier im idyllischen Striegistal ein Schwarzstorchenpaar. Der Radweg könnte ihren Lebensraum gefährden, warnen Naturschützer. Jahrelang waren die Fronten zwischen Radweg-Befürwortern und Naturschützern verhärtet. Doch die Umweltverbände sperren sich nun nicht mehr generell gegen einen Ausbau, sagt Lars Stratmann vom BUND Sachsen: „Wir sind jetzt auf jeden Fall gesprächsbereit und wollen gerne in einen konstruktiven Dialog mit allen Beteiligten, auch mit den Engagierten vor Ort, eintreten, um eben auch insgesamt zu einer möglichst günstigen, vielleicht auch Kompromisslösung zu kommen. Klar ist aber auch, dass bei diesem Kompromiss keine erhebliche Beeinträchtigung des Schutzgebietes übrig bleiben darf.“

„Der Striegistal-Radweg war eine Lehre“

Aktuell finden im Striegistal Artenschutzzählungen statt. Umweltgutachten werden vorbereitet. Mit ersten Ergebnissen rechnet man im Frühjahr. Wann der Radweg dann gebaut werden kann, steht aber noch nicht fest. Aus dem bisherigen Verlauf aber habe man gelernt, heißt es aus dem Ministerium – jetzt denkt man über eine Änderung des Sächsischen Naturschutzgesetzes nach: „Der Striegistal-Radweg war in diesem Sinne eine Art Lehre. Man möchte jetzt mit einem neuen Entwurf genau hier ansetzen und Abhilfe schaffen, dass das Umwidmen, mal ganz salopp gesprochen, von ehemaligen Bahntrassen in Radwege vereinfacht werden soll und solche langen Wartezeiten, die auch keinem Bürger vermittelbar sind, nicht mehr so oft vorkommen“, erklärt Florian Schaefer vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. So könnte man dann aus der alten Bahnstrecke einfach einen neuen Radweg machen, ohne langwierige und komplizierte Prüfverfahren.

Erfolgreiches Beispiel aus Thüringen

Dass es aber auch möglich ist, ganz ohne Gesetzesänderungen einen Radweg durch ein Naturschutzgebiet zu bauen, beweist ein Beispiel aus Thüringen. Beim Ilmenau-Radweg hat man teilweise darauf verzichtet, den Radweg zu betonieren. Und so fährt man dort teilweise über Schotterpisten. Die Menschen werden so nicht ausgesperrt, sondern können die Natur weiterhin erleben und genießen – mit Rücksicht auf Tiere und Pflanzen.

 

Der MDO ist nicht für den Inhalt externer Internetseiten verantwortlich.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.