Spitzensportler in der DDR

Mit Sportlern der DDR hat sich zwei Jahre lang ein Forschungsprojekt an der Universität Leipzig beschäftigt. 40 ehemalige DDR-Sportler wurden befragt - nach ihrer Ausbildung, auch ihrer schulischen, zum politischen Druck im Elitesystem der Begabtenförderung. Nun wurden erste Ergebnisse präsentiert.

„Zum Schluss hatte ich Einzelunterricht“ steht auf der kleinen Leinwand hinter den Zeitzeugen im gut gefüllten Sitzungssaal. Drei der insgesamt 40 für das Projekt interviewten DDR-Sportler hat die Sächsische Akademie der Wissenschaften eingeladen: Mit Mirko Zebisch einen ehemaligen Meister im Ringen, daneben den Weltmeister im Rad-Zeitfahren Jan Schur – und die Turmspringerin Sandra Kaudelka. Die war 1989 ebenfalls DDR-Meisterin, im Alter von 12 Jahren. Ihr Talent wurde nicht zufällig entdeckt, die Suche hatte System.

Sandra Kaudelka: Das nannte man das Sichtungsprinzip. Da sind Trainer, Sportleiter irgendwie in die Kindergärten, haben die Kinder wirklich nach ihren Körpern beurteilt, nach Größe, wie kräftig oder schlank sind die. Und ich bin dann in die Kategorie Wasserspringerin gefallen. Und dann habe ich tatsächlich auch schon mit fünf Jahren angefangen. Ich konnte noch nicht schwimmen und nach einer bestimmten Zeit kriegst du halt die Schwimmflügel weg und wirst halt so rein geworfen.

Reingeworfen ins Sportlerleben. Sandra Kaudelka betont es mehrfach auf dem Podium: für sie war das mehr Qual als Freude, immer wieder wollte sie aufhören. Doch daraus wurde nichts.

Kaudelka: Meine Mutter meinte, komm, das ist eine Chance für dich, weil die Sportschule war ja auch eine Eliteschule. Und so ging das dann und ich war talentiert und rutschte da immer mehr rein und in der 4. Klasse ging es schon auf die Sportschule.

Genau genommen auf die KJS, die Kinder- und Jugendsportschule. 25 dieser Eliteeinrichtungen gab es in den 1980er Jahren in der DDR. Sie waren über die gesamte Republik verteilt, über 10 Tausend junge Sportler wurden da betreut. Das System war erfolgreich, weil flächendeckend fast jedes Kind getestet und bei entsprechend positiver Sichtung aufgenommen wurde. So kamen etwa alle DDR-Olympiateilnehmer von 1988 von einer KJS, sie wurden da trainiert und gleichzeitig schulisch ausgebildet. Es war ein nahezu perfektes System, von der politischen Führung mit allerhand Privilegien ausgestattet und staatlich umfassend subventioniert. Genau mit diesen Förderstrukturen hat sich das nun vorgestellte Projekt von Gregor Hovemann beschäftigt. Das Team um den Leipziger Uni-Professor wollte wissen, wie eng Leistungssport und Bildungssystem in der DDR verknüpft waren – und wie der politische Einfluss aussah.

Spitzensportler in der DDR

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