Rostige Spree

Mit dem Kahn durch rostiges Wasser zu fahren und das Mitten im Biosphärenreservat Spreewald – diese Sorge treibt fast alle Bewohner und Touristikunternehmer in der Region um. In den Zuflüssen steht bereits das rostige Wasser und hat an den Ufern rotbraune Spuren hinterlassen. Schnell könnte es auch den Kern des Spreewaldes erreichen. An eine touristische Nutzung wäre dann nicht mehr zu denken und auch der Titel Biosphärenreservat würde dann aberkannt.

1702 Spreewald in Gefahr

Das Eichower Mühlenfließ, ein kleines Gewässer in der Nähe von Vetschau. Hier hat sich Dicker rostbrauner Schlamm abgesetzt. Kein Einzelfall: Denn so sehen viele Zuflüsse zum Spreewald aus. Umweltschützer Winfried Böhmer sieht sorgenvoll auf den trüben Bach.

Winfried Böhmer:

Dieser Schlamm deckt jetzt den gesamten Grund des Baches bis zu den Seiten ab, so dass keine Wasserpflanze mehr überleben kann. Und vor allen Dingen auch fehlen kiesige Stellen, wo Bachflohkrebse und Ähnliches als Nahrungstiere für Fische da sind. In Endkonsequenz ist es so das die Ökologie völlig gestört ist, die Fische verschwinden und alle Tiere, die von Fischen leben wie Eisvogel oder der Wassermarder, unser Otter, dann nicht mehr hier vorhanden sind weil sie einfach kein Futter finden.

Aber nicht nur Naturschützer machen sich Sorgen um die Zukunft des Spreewaldes. Ein breites Bündnis, das die Menschen in der Region zusammenhält, fordert dringend   eine Lösung. Für Jana Eitner, Sprecherin des Bündnisses „Klare Spree“, ist esein wichtiger Pfand um politischen Druck aufzubauen.

Jana Eitner:

Ich glaube das wirklich besondere an dem Bündnis ist, dass wir es erstmals geschafft haben die vielen verschiedenen Interessen an einen Tisch zu bekommen. Das ist im Spreewald oder in der Lausitz nicht immer so gewesen. Wir haben neben den Wirtschaftsunternehmen, die hauptsächlich aus den Touristikern bestehen, auch die Naturschützer mit am Tisch, die sehr wichtig, wir haben Wasserwirtschaftler mit am Tisch, wir haben die Angler und den Fischereiverband mit am Tisch. Der Forst wird in Zukunft mit dabei sein, wir haben die Bauern, wir haben die Kommunen mit dabei.

Für Jana Eitner geht es, wie vielen hier, um die Existenz. Mit ihren Unternehmen „Spreescouts“ versucht sie Menschen die Natur im Spreewald nahe zu bringen.

 

Jana Eitner:

Den meisten geht es so, dass wir im Biosphärenreservat Spreewald arbeiten und natürlich unseren Gästen eine intakte Natur- und Kulturlandschaft anbieten. Und das als Produkt verkaufen, dass wir eben seltene Tierarten, seltene Pflanzenarten haben, dass man in Ruhe genießen kann, dass man eine wunderschöne Flußlandschaft genießen kann. Wenn die bedroht ist und wir das nicht mehr so anbieten können, was wir da anbieten dann ist für uns als Touristiker natürlich die Frage, wie werden wir in Zukunft unser Geschäft noch haben können?]

Ein Hauptgrund für den Eisenocker in den Gewässern sind die stillgelegten Braunkohletagebaue aus DDR-Zeiten, die sich heute in eine Seenlandschaft verwandeln sollen. Dabei drückt das ansteigende Grundwasser durch eisenhaltiges Gestein und landet an verschiedenen Stellen in Flüssen und Bächen. So kommt ein Teil des rostigen Wasser bereits über 50 Kilometer vom Spreewald entfernt bei Burghammer in der Spree. Bei der Größe des Problems kann Uwe Steinhuber vom Bergbausanierer LMBV die Sorgen der Einwohner verstehen.

Uwe Steinhuber:

Ich glaube die Wissenschaft hat mit den bisher vorliegenden Ergebnissen diese Sorgen natürlich verstärkt, weil wir ein Marathonlauf vor uns haben was die Lösungen angeht. Die Aussagen der Wissenschaft aus den aus den bisher vorhandenen Studien lautet, dass die Eisenfrachten in den nächsten 50 bis 100 Jahren vor allem natürlich bedingt weiter zunehmen werden. Diese Angst kann man im Augenblick niemanden nehmen. Wir sind für unseren Part bereit Lösungen beizusteuern, Finanzierungstöpfe aufzuschließen und dagegen zu wirken.

Als Sofortmaßnahmen sollen vor allem alte Grubenwasserreinigungsanlagen wieder angeschlossen werden und neue Absetzbecken für die Zuflüsse zum Spreewald gebaut werden. Damit sich der Eisenocker absetzt braucht er über 20 Tage. Angesichts der hohen Kosten und dem langen Sanierung fordert Grünenpolitiker Wolfgang Renner eine Kehrtwende bei der Braunkohlenpolitik. Er hat bereits die Spreerenaturierung begleitet.

Wolfgang Renner:

Es gibt keine 100prozentige Sicherheit, dass solche Prozesse nicht auch bei den kommenden Tagebauen entstehen und ich halte es für völlig verantwortungslos angesichts dessen was wir jetzt gerade erleben ähnliche Probleme den nachfolgenden Generationen jetzt weiter zu vererben.

Den meisten Mitgliedern in Bündniss „Klare Spree“ geht es wie Naturschützer Winfried Böhmer: Sie wollen ihren Spreewald erhalten.

Winfried Böhmer:

Wir möchten dass die Touristen sich wohlfühlen, wir möchten dass die Touristen im Spreewald eine intakte Natur sehen. Genau das muss uns erhalten bleiben und da gilt es alle Kraft darauf zu konzentrieren zu verhindern, dass der Spreewald ein schlechtes Image bekommt.

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