Militärhilfe für den Nordirak

Was tun gegen IS, die brutale Terrorgruppe „Islamischer Staat“ im Irak und in Syrien? Die Bundesregierung hat vor wenigen Tagen beschlossen, militärische Hilfsgüter an die Kurden im Nordirak zu liefern, um deren Kampf gegen die IS-Truppen zu unterstützen. Ausgeflogen wurde das Material vom Flughafen Halle/Leipzig.

Die riesige Antonow auf dem Rollfeld am Flughafen Halle/Leipzig glänzt in der Abendsonne. Ein kurzes Aufheulen der Triebwerke, dann hebt sich die Bugklappe der russischen Transportmaschine. Noch ist sie leer, die den Kurden zugesicherte Fracht steht gut verpackt in der Lagerhalle nebenan. 22 Paletten hat Oberstleutnant Christoph von Löwenstern gezählt:

„Hier auf diesen Paletten sind insgesamt 9500 Ausrüstungsgegenstände. Vor allem sind das 4000 ballistische Schutzwesten, 4000 Helme, 700 Kleinfunkgeräte und 680 Nachtsichtfernrohre. Dazu kommt noch Material zur Minen- und Munitionssuche und auch Beseitigung.“

Die Hilfsgüter, so sind sie deklariert, kommen aus einem Zentraldepot der Bundeswehr in Mecklenburg-Vorpommern. Langsam rollen die ersten Gabelstapler in die Frachthalle, nach und nach verschwinden sie im Bauch der Antonow. Vier Stunden hat die Bundeswehr für die Beladung eingeplant, im Irak muss sie in der Hauptstadt Bagdad zwischenlanden:

„Null Uhr heute Nacht werden wir starten, die reine Flugzeit beträgt ca. fünf Stunden bis Erbil. Die Zwischenlandung in Bagdad ist so vereinbart mit der Regierung, weil sie einfach überprüft, ob wir das, was wir angemeldet haben auf unseren Papieren, letztlich auch an Bord ist. Und nach einem kurzen Zwischenstopp geht es dann weiter.“

Deutsche Soldaten gehen nicht mit an Bord. In Erbil übernimmt das Auswärtige Amt die Ausrüstung und übergibt sie offiziell an die Kurden. Im Nordirak ist dann auch die Bundeswehr mit sechs Soldaten vertreten, die die Verteilung unterstützen, so der Oberstleutnant. Hat er Angst, dass das Material in die falschen Hände gerät?

„Also die Bundesrepublik Deutschland, die Bundeswehr ist ja da nicht allein. Das ist ja ein Prozess, der mit mehreren Nationen abgestimmt ist und so ist auch frühzeitig mit der kurdischen Regionalregierung abgesprochen worden, was wird wo gebraucht.“

Ein klares Nein klingt anders. Weder Christoph von Löwenstern noch die Bundesregierung können das momentan klar beantworten. Noch schwieriger wird die Frage bei den bald folgenden Waffenlieferungen. Nach Auskunft der Kurden werden vor allem die vor Ort im Kampf gegen den Terror des IS gebraucht. Die Bundesrepublik liefert, allerdings frühestens in der zweiten Septemberhälfte. Dann sollen die kurdischen Soldaten eine – Zitat – qualifizierte Einweisung bekommen. Wo und wie das geschehen wird, ist noch nicht endgültig entschieden:

„Also eins ist klar: Das Material, was wir den kurdischen Verbänden übergeben, das geben wir nicht einfach auf den Flughafen hingeschmissen. Sondern hier wird auch ausgebildet, wird die Bundeswehr ausbilden. Das kann entweder mit Kurzeinweisungen vor Ort im Nordirak passieren oder aber in etwas längeren Einweisungen, an komplexeren Geräten, dann zum Teil auch hier in Deutschland.“

Langsam verschwindet auch die letzte Palette in der Antonow, aufmerksam beobachtet von einem beachtlichen Medientross. Sogar ein kurdisches Filmteam ist vor Ort. Der Journalist Zinar Shino steht vor der Kamera, steht fast täglich mit Kollegen in seiner irakischen Heimat in Kontakt. Wird das Material tatsächlich helfen beim Kampf gehen die Terroristen? Er ist skeptisch:

„Es ist vielleicht nicht alles, was man dafür benötigt, um die Terroristen zu beseitigen. Aber es wird sicherlich durch diese Hilfe der europäischen Länder ISIS gestoppt und zurückgeschlagen. Unsere Kollegen vor Ort haben uns viele Bilder übertragen, die schrecklich sind. Die kurdischen Truppen, aber auch viele irakischen Truppen brauchen sehr viele Waffen, damit sie effektiv gegen ISIS kämpfen können.“

Waffen gegen Waffen, das ist auch die Logik der nun liefernden Bundeswehr. Langsam rollt die Antonow Richtung Startfeld, verschwindet in der Nacht – und müsste nun, einige Stunden nach ihrem Abflug, bereits im Irak angekommen sein.

 

Militärhilfe für Kurden im Nordirak

 

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.