Leipzigs schwieriger Weg zur Moschee

In Leipzig eskaliert derzeit der Streit um eine neue Moschee. Dabei ist sie nicht die erste, es gibt schon sieben Moscheen in der Stadt. Auch die Gemeinde gibt wenig Anlass zur Sorge, denn die Ahmadiyya-Gemeinde ist sehr offen und gemäßigt.

Trotzdem geht es bei den Infoveranstaltungen zum Bau hoch her. Die Vorurteile der Anwohner werden geschickt von NPD und rechten Kreisen genutzt, um Stimmung gegen die Moschee zu machen. Eine Busreise für Interessierte Bürger nach Berlin zu einer bestehenden Moschee soll den Konflikt entschärfen und zu einem Dialog wandeln.

 

Ja, meine Damen und Herren: Guten Morgen! Willkommen in unserem Sonderbus nach Pankow. Meine Name ist Karsten Gerkens ich bin Leiter des Amtes für Stadterneuerung.

Es ist Samstag morgen kurz nach 8:30 Uhr. Es ist trüb und regnerisch. Der Bus setzt vor der Michaeliskirche in Bewegung. An Bord sind neben Anwohnern auch Mitglieder von Vereinen, der Stadt Leipzig sowie von Kirchgemeinden.
Einer von ihnen ist Karl-Heinz Hofmann. Er hat Zweifel am Standort der neuen Moschee.

Wobei ich auch der Meinung bin, warum soll die unbedingt an der Georg-Schumann-Straße stehen, die Moschee. Ich weiss es zum Beispiel vom Gewerbegebiet Nord-Ost. Da haben die Zeugen Jehovas haben da einen großen Tempel gebaut. Jetzt sind da die Vietnamese dabei so einen Tempel bzw. eine Pagode zu bauen. Dort gibt es keine Konflikte weil die weitab vom Wohngebiet sind.

Nach reichlich zwei Stunden Fahrt erreicht der Bus Berlin-Pankow. Hier werden die Teilnehmer von Jens-Holger Kirchner in Empfang genommen. Er ist Bezirksstadtrat und Leiter der Abteilung für Stadtentwicklung in Pankow.

Wir fahren jetzt nach Heinersdorf. Sie sind jetzt hier an der Pankower Spitze. Hier treffen 3 Bezirke zusammen: Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee. Entsprechend zerupft sieht es auch gleich aus. Gewerbegebiete, 60er Jahre Bauten und Altbauten wechseln sich ab. Sie sind hier auf der Prenzlauer Promenade einer der meist befahrenen Ausfallstraßen dieser Stadt.

Im Gewerbegebiet hinter einem Schnellrestaurant erreicht der Bus die Moschee. Obwohl sie nahe an der Straße steht ist sie von der Prenzlauer Promenade kaum zu entdecken. Das Minarett ist gerade einmal 13 Meter hoch. Die Moschee ist von Außen ganz in weiß gehalten und schmucklos. Im großen Gebetssaal wird die Gruppe von der Gemeinde empfangen. Der Raum ist mit Teppichen ausgelegt. Die Wände und Decken sind weiß und kahl. Nur die Kanzel in mintgrün sticht hervor.

Imam Abdul Basit Tariq erklärt den Teilnehmern die Besonderheit als Islamische Reformgemeinde. Deswegen sei Ahmadiyya besonders offen für andere Religionen und Weltanschauungen. Er selbst hat 20 Jahre in Leipzig gelebt und möchte auch mit der neuen Moschee für einen Dialog eintreten.

Diese Moschee wird ein Ort sein der Begegnung der Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen. Ich glaube die Moschee wird eine entscheidende Rolle spielen die Missverständnisse über den Islamischen Glauben zu beseitigen, mehr Informationen über den Islam zu vermitteln. Außerdem ist die Moschee ein Ort der Freundschaft und der friedlichen Begegnungen mit den Christen, den Juden, mit den Buddhisten.

Nach einen kleinen Imbiss geht es rund 20 Minuten zu Fuß durch Heinersdorf. Der Stadtteil ist fast eher Dorf als Stadt. In der Grundschule am Wasserturm direkt unter dem Dach haben die Befürworter und Gegner der Moschee Platz genommen. Auch wenn die Gemeinde bereits in Heinersdorf ihren Platz gefunden hat, sorgt sie hier wieder für eine hitzige Debatte.

Gräben aus der Vergangenheit brechen wieder auf, denn die Gegner der Moschee wurden hier oft in eine rechtsextreme Ecke gestellt. So haben sich bei den Demonstrationen auch NPD-Anhänger eingemischt und sie als Plattform genutzt. Auch deshalb empfiehlt Schulleiterin Marina Vogel eine besonderes sachliche Diskussion.

Ich halte es für außerordentlich wichtig, dass man sich Wertungen enthält und versucht sich sehr aufmerksam zu zuhören, nicht zu voreilig Gräben aufmacht. Die Sachebene, obwohl das eine hoch emotionale Angelegenheit ist, nicht außer Acht lässt.

Nach einer kurzen Fahrt mit dem Bus steigt Pfarrerin Ruth Misselwitz zu. Ihr Vorgänger hatte noch Stimmung gegen die Ahmadiyya-Gemeinde gemacht.
Sie arbeitet sehr intensiv mit dem Imam und der Gemeinde zusammen. So feiern sie gemeinsam religiöse Feste und stehen im interreligiösen Dialog. Pfarrerin Misselwitz möchte die Neugier aufeinander wecken.

Das erste was ich ihnen mitgeben möchte ist Neugierde, offene Neugierde, keine skeptische. Auch vielleicht so ein bisschen Abenteuerlust. Was kommt da auf uns zu? Also auch so mit einer gewissen Freunde einlassen wollen auf eine neu Kultur, eine andere Kultur. Dann möchte ich ihnen mitgeben, dass sie sich ernsthaft mit der Ahmadiyya Gemeinde, mit deren Theologie, mit deren Kultur, mit deren Geschichte auseinandersetzt.

Mittlerweile ist es dunkel geworden und der Bus befindet sich auf der Autobahn in Richtung Leipzig. Der Tag sorgt für angeregte Gespräche auf der Heimfahrt. Auch Karl-Heinz Hofmann zieht ein Fazit.

Vor allen Dinge war es auch so, dass z.B. der Imam die Konflikte die es gab, die hat er nicht benannt. Die hat er einfach unter den Tisch gekehrt. In der Schule kam dann etwas ganz anderes raus. Das hat er eben auch nicht angesprochen. In der Schule kamen dann Diskussionen hoch, was denn eigentlich alles so wirklich vorgefallen ist. Ich denke mal in Gohlis wird noch Ähnliches passieren.

Auch die Ahmadiyya-Gemeinde selbst möchte sich stärker einbringen. Allerdings sehen ihre Vertreter kein schnelles Ende des Konfliktes.

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