Kritische Bastion zwischen Kriegsende und Mauerfall

In Leipzig wird momentan an jeder Ecke gefeiert. Und auch die Messe begeht in diesem Jahr ihren Geburtstag: den 850sten. Sie war zu DDR-Zeiten ein Guckloch zur Welt - und die Stadt putzte sich so gut es ging heraus. Wo früher das Mauerwerk bröckelte, fahren heute täglich Dutzende Touristenbusse an aufgehübschten Fassaden entlang.

Momentan feiert sich Leipzig fast täglich selbst: mit Stadtfesten an jeder Ecke, Umzügen, Show- und Musikbühnen in der gesamten Innenstadt – und hunderttausenden Besuchern. Höhepunkt der vergangenen Tage waren die Stadt-Fest-Spiele, ein pompöser Umzug, angeführt von riesigen, auf fahrende Wagen montierten Köpfen aus Metall. Die fünf überlebensgroßen Figuren mit Löwentatzen, der Löwe ist schließlich Leipzigs Wahrzeichen, bahnten sich langsam ihren Weg durch die Stadt. Viele Passanten fanden das großartig, auch wenn die Veranstaltung der einen oder dem anderen etwas zu groß geraten war.

„Am Anfang sehr, sehr lange, aber zum Ende hin super. / Es hatte zwischendurch mal ein paar Längen, fand ich, hätte man vielleicht noch etwas dazu sagen können. Am besten hat mir dieser Mensch da oben auf diesem Rad gefallen, ich hab das so als Zeitrad interpretiert. Die Zeit vergeht so.“

Für Leipzig stimmt das in jedem Fall. Die fünf Köpfe stehen für das, worauf die Stadt besonders stolz ist: auf Wirtschaft und Handel, Kunst und Kultur, Buch und Medien, Sport und Umwelt, Wissenschaft und Bildung. Also eigentlich alles. Eine kleine Erwähnung in der Chronik des Merseburger Bischofs Thietmar haben die Stadtoberen zum Anlass genommen, jetzt in 2015 mal eben 1000 Jahre Leipzig zu feiern. Das eigentliche Stadtrecht erhielt die hier so gern „Messemetropole“ genannte Stadt erst Jahrzehnte später. So manch älterer Leipziger wundert sich da schon, nimmt es aber mit typisch sächsischem Humor.

Ich habe als Kind schon die 800-Jahr-Feier mitgemacht. Und jetzt die 1000-Jahr-Feier, ich habe ein gesegnetes Alter erreicht. Das finde ich dann gut.“ (lacht)

Ersterwähnung hin, Stadtrecht her: Leipzigs Tourismus und Marketing-Abteilung freut sich. Dank des bischöflichen Eintrags darf sie seit Monaten ein riesiges Programm auf die Beine stellen. Das lockt zusätzlich Gäste in die Stadt, was der Wirtschaft gut tut und die Umsätze ankurbelt. Leipzig, noch bis vor kurzem die „Armutshauptstadt“ Deutschlands, kann jeden Euro gebrauchen. Denn die Stadt wächst, im Moment um etwa 10.000 Einwohner pro Jahr. Erstmals seit 1965 gibt es in Leipzig sogar einen Geburtenüberschuss. Laut Prognose könnte dieser Trend auch die nächsten Jahre anhalten, bereits 2025 wäre man dann bei 600.000 Einwohnern.

 

Deutschlandradio Kultur – Länderreport

 

Der MDO ist nicht für die Inhalte externer Seiten verantwortlich.

 

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.