Knappensee in Gefahr? – Bagger rollen in die Urlaubsidylle

Bis vor Kurzem war der Knappensee in der Nähe von Hoyerswerda einer der schönsten Badeseen Deutschlands. Heute zieht sich ein Sperrzaun rund um den See. Verfall und Abriss prägen das Ufer, wo einst Campingplätze und Bungalows standen.

In dem ehemaligen Tagebau wird seit den 50er Jahren gebadet. Ein Naturparadies mitten im Lausitzer Braunkohlerevier. Doch im Boden schlummert eine große Gefahr. Davon ist zumindest Bernhard Cramer vom sächsischen Oberbergamt überzeugt. Denn neue Studien halten hier Rutschungen und Abbrüche für möglich.

 

Bernhard Cramer, Sächsisches Oberbergamt

Sie müssen sich einen Badebetrieb vorstellen, wo plötzlich ein großer Bereich des Untergrundes abrutscht und große Schäden an der Oberfläche hervorruft, inklusive das verschwinden von Personen.

 

Nun soll hier 8 Jahre lang saniert werden. Zutritt strengstens verboten. Dafür müssen die Anwohner ihre Häuser am See verlassen. Auch Hotels und Campingplätze müssen dicht machen. Ein Teil davon wird abgerissen. Mitten durch den Platz der Familie Gläßer zieht sich bereits ein Sperrzaun. Derzeit müssen sie ihr Hab und Gut retten, denn zwei Drittel ihre Fläche werden sie verlieren. Betreiberin Marlen Gläßer kämpft um ihr Unternehmen.

 

Marlen Gläßer, Campingplatzbetreiberin

Wir müssen sehen was die Zukunft bringt. Wir wirtschaften so wie wir können und zur Not müssen wir schließen. Also es ist nicht ausgeschlossen, dass wir schließen müssen. Aber wir versuchen durchzuhalten.

 

Familie Gläßer will nicht freiwillig weichen. So geht es vielen. Rund 300 Dauercamper, Bungalowbesitzer und Hoteliers sind betroffen. Ein Hauch von Protest liegt in der Luft, denn vieles ist noch unklar. Der größte Streitpunkt sind die Entschädigungen für Grundstücke und Gebäude. Für Bernhard Cramer vom sächsischen Oberbergamt gibt es keine andere Lösung.

 

Bernhardt Cramer, Sächsisches Oberbergamt

Dort sind Gebäude, Immobilien, die auf Grundstücken stehen, die eigentlich nicht nutzbar sind, weil sie extrem gefährdet sind und eigentlich für die Nutzung nicht zur Verfügung stehen. Was wir machen ist eine Entschädigung.

 

Dabei wird nur der aktuelle, sogenannte Verkehrswert ermittelt. Der ist gering, weil die Grundstücke nicht nutzbar sind. Für einen Neuanfang oft zu wenig. Am See gehen damit Lebensträume baden. Wie die von Eberhard Mühle. Er hat sich am See ein Gartengrundstück mit Bungalow eingerichtet.

 

Eberhard Mühle, Gartenbesitzer

Für die meisten ist damit Schluss. Die meisten Bungalowbesitzer sind überwiegend 70 Jahre alt. 50 Prozent sind über 70 Jahre alt. Für die meisten lohnt sich das nicht mehr. Und wenn 8 jetzt schon fast 10 Jahre hier nichts passieren kann sind die meisten zu alt, dass hier noch etwas passieren kann.

 

Eberhard Mühle gehört zu den Knappenseerebellen. Der Verein versucht sich gegen die Sanierung zu wehren. So wie er sind viele hier von der Notwendigkeit der Sanierung nicht überzeugt.

 

Eberhard Mühle, Gartenbesitzer

Da muss ich arge Zweifel anmelden. Ich war tätig in der Sanierung gewesen. Was man hier versucht hat uns aufzutischen als Begründung ist äußerst fragwürdig.

 

Doch gegen die Pläne können sie sich nur begrenzt wehren. Geld für ein notwendiges Gegengutachten haben sie nicht.

Ein paar Kilometer weiter kann man erahnen, wie die nächsten Jahre am Knappensee aussehen könnten. Dort wo mit großen Baumaschinen saniert wird, ist nur Sandwüste. Der Silbersee wird bereits seit 2010 saniert. Für Campingplatzbetreiberin Marlen Gläßer ein bedrohliches Szenarium.

 

Marlen Gläßer, Campingplatzbetreiberin

Da waren zwei Jahre geplant und jetzt sind wir im vierten Jahr. Wir stehen mit dem Campingplatzbetreiber dort in sehr gutem Kontakt. Er hat auch gesagt, die Auswirkungen auf den Campingplatz sind auch enorm. Deswegen rechnen wir bei uns am Knappensee mit dem Schlimmsten.

 

Alle Versuche Hilfe von der lokalen Politik bishin zum Bundestag zu bekommen, sind bisher gescheitert. Wer nach der Sanierung wieder an den Knappensee zurückkehrt ist ungewiss. Mit dem Badeparadies ist es für die nächsten acht Jahre wohl vorbei.

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