Fahrräder für Afrika

Viele Länder in Afrika brauchen Entwicklungshilfe – um Infrastruktur aufzubauen, Krankenhäuser, Schulen oder Anlagen zur Wasserversorgung. In Oschatz gibt es deshalb seit einigen Jahren das Projekt „Fahrräder für Afrika“ – und wie der Name sagt, werden dort alte Drahtesel aus Deutschland nach Afrika geschickt.

Schlachthofgelände Oschatz. Soeben ist der Tieflader mit dem 12 Meter langen und fast drei Meter breiten Container aufs Gelände gerollt. Johannes Wolf steht am Eingang der alten Lagerhalle mit Hunderten gebrauchten Fahrrädern und teilt die Helfer ein.

„Drei Leute auf dem Container, der Rest hier unten. Wir fangen an, die ersten Reihen, große Fahrräder, 28 Zoll, Touringräder, 26 Zoll, Mountainbike.“

Der 28jährige BWL-Student ist der Kopf von „Fahrräder für Afrika“, er hat alles genau geplant. Knapp drei Stunden haben sie Zeit, die in ganz Deutschland gesammelten Räder zu verladen. Die sehen zum Teil recht mitgenommen aus – für Wolf kein Problem.

„Wenn man die Fahrräder sieht, sind die natürlich eingestaubt, haben einen Platten, vielleicht eine verrostete Kette. Trotzdem schauen wir schon auf jedes Fahrrad genau drauf, dass es mit wenigen Handgriffen zu reparieren ist. Wir packen in die Container auch Ersatzteile und Werkzeuge, so dass wir sicherstellen, dass alle Fahrräder die wir einladen mit wenigen Handgriffen fahrbereit zu machen sind und dass jedes Teil, das wir in den Container stecken, in Afrika verwendet werden kann.“

Über 400 Räder schickt Johannes Wolf heute auf die Reise, über den Hamburger Hafen gehen sie diesmal Richtung Ghana. Tausende gebrauchte Drahtesel hat er in den letzten vier Jahren bereits versandt – nach Namibia und Sambia, Sierra Leone und Südafrika. Die Idee kam dem Studenten auf einer Reise.

„Ich fahre natürlich gerne Rad, ich schraube gern an Fahrrädern. Und ich war dann 2009 für sechs Monate in Namibia und hab da in Fahrradprojekten gearbeitet. Bin dann wieder zurück gekommen und dann entstand die Idee, hier einen Verein aufzubauen und gebrauchte Räder zu sammeln.“

Nach und nach verschwinden Dutzende Fahrräder im Container. Auch Robert Stadler packt mit an, er ist Präsident des Oschatzer Lions Club, hat Geld für das Projekt gespendet. Schließlich muss auch der Container bezahlt werden – und der Transport.

„Aus dem Grund sind wir heute hier, einmal ideell, jetzt helfen, und auf der anderen Seite auch finanziell einen Beitrag zu leisten. Ich war selbst in Afrika, in Tansania und sehe hier das Bedürfnis, dass man da Unterstützung leistet. Und das ist eine gute Geschichte, dass dort die Mobilität verbessert wird und man die großen Wegstrecken, außer zu Fuß, eben auch mit Unterstützung eines Gefährtes hinter sich zu bringen.“

Genau das ist die Idee von Johannes Wolf. Er will die Menschen in Afrika mit Hilfe von Fahrrädern mobilisieren und ihnen damit einen Weg aus der Armut ermöglichen. So steht es in der Satzung seines gemeinnützigen Vereins. Tatsächlich pendeln viele Afrikaner zu Fuß zwischen Wohnort und Arbeitsstelle, Kinder sind Stunden unterwegs zur Schule. Es fehlt an Bussen und Autos, das Rad ist eine günstige Alternative, die auch die Umwelt schont. Die Fahrräder werden allerdings nicht kostenlos verteilt – für Johannes Wolf ein wichtiger Punkt.

„Sie kosten ungefähr zwischen 20 und 60 Euro, das ist nicht günstig. Wenn jemand Arbeit hat, dann sind das ein bis zwei Monatsgehälter. Oft wird in einer Familie das Geld zusammen gelegt und ein Rad gekauft. Aber so stellen wir sicher, dass wirklich mit dem Fahrrad gut umgegangen wird, dass das repariert wird und nicht irgendwann, wenn es kaputt ist, einfach in die Ecke geworfen wird und das nächste kostenlose Fahrrad sich angeeignet wird.“

Die Einnahmen aus dem Verkauf bleiben bei den Händlern, mit denen der Verein zusammen arbeitet. Die können sich davon eigene Werkstätten einrichten – teils direkt in den Containern, in denen die Räder ankommen. So entstehen vor Ort neue Geschäfte, mit Angestellten und später auch Zusatzeinnahmen durch Reparaturen. Vereinsmitglieder waren mittlerweile mehrmals in Afrika, haben sich Werkstätten angeschaut und Mechaniker beraten. Kevin Westphal war letztes Jahr vor Ort und hat sogar einen Dokumentarfilm über das Projekt „Fahrräder für Afrika“ gedreht. Er war beeindruckt, wie gut die Idee funktioniert.

„Zum Beispiel die Stelle im Norden von Namibia, wo das eine Familie übernommen hat. Und die haben mit einer kleinen Werkstatt in einem Container gestartet und das hat sich so gut entwickelt, das wurde so gut angenommen, dass die jetzt schon eine Zweigstelle aufgemacht haben. Nachhaltigkeit ist bei diesem Projekt wirklich ein Schwerpunkt. Es entsteht eben ein Kreislauf, dass sich ein Kundenstamm etabliert und ein Wirtschaftszweig.“

Feierabend in Oschatz – nach knapp drei Stunden sind alle Räder verstaut, der Container wird versiegelt und rollt vom Hof. In zweieinhalb Wochen wird er in Ghana ankommen.

 

Akzente – Fahrräder für Afrika

Deutsche Welle – Generation Change (with Gaia Manco)

 

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