expopharm Medienpreis: Die Pillentester

Die arte Reportage "Die Pillentester" von Ben Arnold schafft es in die letzte Auswahlrunde des expopharm Medienpreises.

Mehr als 1.200 klinische Studien werden in Deutschland jedes Jahr durchgeführt – davon 85 Prozent im Auftrag der Pharmaindustrie. Um die Probanden wird in der Öffentlichkeit geworben. Ohne sie ist klinische Forschung nicht möglich, denn bevor ein Medikament zugelassen werden kann, muss es getestet werden: in einer ersten Phase an gesunden Probanden, in späteren Phasen an erkrankten Patienten, um die Heilwirkung zu testen. Etwa 10.000 Deutsche unterziehen sich jährlich klinischen Studien. Der Test am eigenen Leib ist für die Probanden riskant, da die Wirkung der Stoffe, die sie testen, noch nicht hinreichend erforscht ist. So erkrankte ein vom Filmteam begleiteter Proband ernsthaft und kämpft vor Gericht um eine Entschädigung. Zwar sind die Probanden durch die pharmazeutischen Unternehmen versichert, doch die Versicherung zahlt nur, wenn die Studie als Ursache der Schädigung und ihrer Folgen zweifelsfrei erwiesen ist. Den Beweis muss der Proband erbringen.

Andererseits gibt es auch Probanden, die an so vielen Pharmatests wie möglich teilnehmen. Das „Gehalt“ pro Studie kann zwei- bis vierstellig sein. Die Tester wissen, wie der Hase läuft, und geben den Auftraggebern die Informationen, die sie hören wollen. Ein arbeitsloser Tester, der an Diabetes Mellitus leidet, erzählt, dass er für eine Studie die von seinem Hausarzt verschriebenen Medikamente abgesetzt hat. Akribisch soll er nun die Einnahme und Wirkung der neuen Pillen dokumentieren. Zudem muss er zur Blutabnahme regelmäßig in ein Forschungsinstitut fahren. Doch die Behandlung seiner Krankheit steht für ihn nicht im Vordergrund. „Die zahlen halt jedes Mal cash, das ist mir auch recht so, damit kein Dritter sieht, wer überweist“, gesteht er. Was er den Testlaboren nicht verrät: Er nimmt an verschiendenen Studien gleichzeitig teil und verfälscht damit deren Ergebnisse.

 

arte/mdr/neo productions TV & Film, 2012, 30 Min.

 

 

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