Die vergessenen Schlösser

Pałac - das ist das polnische Wort für Schloss und für Herrenhaus. Und die findet man in Polen häufig. Ihre Geschichten bieten so manche überraschende Wendung. Erst hochherrschaftliches Gutshaus adeliger Großgrundbesitzer, dann Verwaltungssitz der landwirtschaftlichen Betriebe im Sozialismus und heute Sozialwohnung.

Die Zeit nagt an den alten Schlössern und Herrenhäusern im polnischen Westpommern. Die einst prachtvollen Landgüter dienten vor ´89 meist als Verwaltungssitz der staatseigenen landwirtschaftlichen Betriebe. Heute herrscht hier Trostlosigkeit, Leerstand und Verfall. Und trotzdem: Einige der alten Schlösser sind immer noch bewohnt – von den einstigen Landarbeitern.

„Früher gab es hier Kühe, 100, 200 – auch Schweine. Auch die Felder gehörten dazu. Aber die PGR ist pleite gegangen und seitdem steht einfach alles leer.“

Vor 1989 arbeiteten die meisten Einwohner in der Landwirtschaft. In der freien Marktwirtschaft hatten die LPG-ähnlichen Betriebe von damals, PGR genannt, keine Chance. Seit deren Auflösung hat hier fast niemand mehr eine festen Job. Das einzige was blieb: das alte Herrenhaus – die ehemalige PGR-Verwaltung. Insgesamt sieben Familien leben hier. Der Neuanfang nach ´89 ist an ihnen vorbei gezogen.

Ohne Arbeit keine Perspektive. Viele der alten Herrenhäuser sind heute ein sozialer Brennpunkt. In dem 91-Seelen Dorf Zabród leben nicht nur die Arbeiter von damals, die Stadt hat zudem Sozialwohnungen in dem Landgut eingerichtet.

„Nachdem die PGR aufgelöst wurden, wusste man nicht was man mit den Schlössern tun sollte und es schien das Einfachste, sie als Wohnungen umzubauen und auch Sozialwohnungen darin einzurichten, für Menschen, die ihre Miete nicht zahlen können, die Probleme haben.“

Für die Stadt eine augenscheinlich praktische und kostengünstige Lösung. Nachnutzung des Schlosses garantiert – Wohnort für Sozialfälle gefunden.

Zu sehen am 07.12 bei „Heute Im Osten“ // MDR-Fernsehen

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