Der CO2 freie Warentransport – ein Zweimaster wird zum Frachter

Wellen schlagen gegen den Bug. Die Mannschaft setzt die Segel. Der Zweimaster Tres Hombres liegt gut im Wind und nimmt Fahrt auf. Die Route führt heute entlang der holländischen Küste. Doch was nach traditionellem Segelverein aussieht ist in Wirklichkeit ein Frachttransport, CO2-neutral, klimaschonend und in Zeiten von überdimensionierten Containergiganten auf eine charmante Art anachronistisch.

 

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Am Steuerrad der 32 Meter langen Schonerbrigg steht Kapitän Andreas Lackner – einer der drei Gründer des Segelunternehmens. Für ihn ist das moderne Schiffstransportwesen reinste Umweltzerstörung. Den Schwefelgehalt unsauberer Schiffstreibstoffe erkennt der Österreicher bereits am Rauch aus den Schornsteinen der Schiffsgiganten. „Die 16 größten Transportschiffe zusammen stoßen so viel giftige Abgase aus wie alle Autos der Welt auf einmal“, sagt der ehemalige Greenpeace-Aktivist. Zusammen mit seinen zwei Geschäftspartnern will er den großen Containerfrachtern die Stirn bieten, ein stetiger Kampf – David gegen Goliath.

Damit das Unternehmen in der freien Wirtschaft überleben kann, arbeiten die drei Segler mit sozialen Projekten zusammen. Ein Segelschiff als Resozialisierungsprojekt für straffällig gewordene Jugendliche, Segelausbildung und Freiwilligenarbeit – tatsächlich ist das Konzept so erfolgreich, dass inzwischen ein zweites Schiff ausgebaut wird. Derzeit arbeiten etwa 20 Freiwillige aus der ganzen Welt an der 142 Jahre alten Nordlys, um es für den Transport übers Meer startklar zu machen. Die Nordlys soll bald die europäischen Häfen und Binnenhäfen ansteuern, beladen mit Kakao, Schokolade, Rum und anderen Auftragslieferungen. Nur unverderblich sollten die Waren sein.

Doch klar ist auch: den großen Containerfrachtern mit dem Segelschiff den Kampf anzusagen ist eine Utopie. Für Kapitän Andreas Lackner ist das Projekt deshalb auch eher politisch, denn wirtschaftlich. „Die Tres Hombres allein kann natürlich wenig ausrichten, aber sie kann auf die Menschen einwirken“, sagt der 38jährige. Lackners Ziel ist es, Bewusstsein für die Umweltschädlichkeit von Schiffstransporten zu schaffen und darauf hin zu wirken, dass auch große Frachter in Zukunft Segel setzen – denn das ist technisch durchaus möglich. Man müsste es nur umsetzten.

Inzwischen ist die Tres Hombres in dem holländischen Hafen Den Helder eingelaufen. Die Crew beginnt die Waren auszuladen. Und vielleicht ist das, was hier wie Vergangenheit aussieht, ja doch irgendwie auch Zukunft.

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