Den Bass-Stars ganz nah sein

Seinen Stars ganz nah sein und dabei von ihnen lernen. Möglich macht es das Bass Camp der Firma Warwick in Markneukirchen im sächsischen Vogtland. In einer Woche bekommen Studenten von berühmten Bassisten aus der ganzen Welt Tricks und Kniffe beim Bassspielen gezeigt.

Als hätte eine Schulklingel geläutet, sitzen die Studenten früh um 9 Uhr pünktlich im Seminar. Stuart Hamm, ausgezeichneter Jazz und Rockbassist aus San Francisco spielt eine Runde Bass, bevor er seinen Schülern etwas zu Haltung und Spielweise erzählt. Er will helfen, berufsbedingten Krankheiten vorzubeugen. Die meisten Seminaristen wissen wovon er redet: Sie kennen wunde Finger vom Bassspielen, verkrampfte Schultern und Rückenschmerzen. So üben Sie zusammen verschiedene Entspannungstechniken und die richtige Körperhaltung. Hamm hat es bei sich selbst erlebt wie eine verkrampfte Haltung beim spielen zu schmerzhaften Verspannungen führt. Deswegen sein Tipp: „Locker bleiben“.

Das große Bass-Treffen

84 Studenten haben sich beim „Bass Camp“ in Markneukirchen eingefunden. Hier lernen sie von Profis Tricks und Kniffe, ihr Instrument zu besser zu beherrschen – und neue Möglichkeiten zu entdecken. Der deutsche Jazz- und Rockbassist Helmut Hattler etwa, der sich das Bassspielen selbst beibrachte und seine Karriere im Jahr 1971 dann mit der Krautrock-Gruppe Kraan startete, erklärt seine Experimente mit Hall. Dann fordert er seine Studenten auf ihn dabei mit der eigenen Bassgitarre zu begleiten und zu improvisieren. Dabei spielt jeder auf einem anderen Niveau und anderem Umfeld. Gerade das macht für ihn den Reiz der Seminarwoche aus: „An einem entlegenen Ort trifft man Leute, die man sonst nicht treffen würde. Perfekt!“

Ein neuer Weg

Mit dem „Bass Camp“ lockt die Firma Warwick weltbekannte Bassisten und Studenten aus der ganzen Welt nach Markneukirchen. Hier baut Warwick E-Bässe des oberen Preissegments, beliefert auch weltbekannte Bassisten mit maßgefertigten Instrumenten. 1995 wurden alte Produktionsstätten in Franken geschlossen. Das Unternehmen nutzte staatliche Fördergelder und gründete seinen neuen Standort in der Instrumentenbauregion Vogtland. Und Geschäftsführer Hans Peter Wilfer schaffte dort auch die Wiederbelebung der insolventen Gitarrenbau-Firma Framus, die sein Vater einst gegründet hatte.

Neue Kundenbindung

„Ich bin in den letzten Jahren zur Überzeugung gekommen, dass Konsument und Markt sich ändern“, sagt Hans Peter Wilfer. „Das Erlebnis auf Messen zu gehen hat sich verändert.“ ist er von gerade von seinen jüngeren Kunden überzeugt, die sich auch nicht mehr über einfache Werbeanzeigen locken lassen. So entstand seine Idee, ein „Bass Camp“ am Firmenstandort zu veranstalten. „Hier bringen wir den Konsumenten, von denen wir leben, ihre Helden. Sie kommen hautnah in Kontakt mit Stars, die ihnen praktische Tipps geben.“ So finden sich unter den 17 Dozenten der irische Multi-Instrumentalist und Folksänger Andy Irvine, Chick Coreas legendärer Bassist John Patitucci und Lee Sklar, der mit James Taylor und Carol King zu Bass-Ruhm kam.

Bass im Vordergund

Auch Wolfgang Schmid gibt beim „Bass Camp“ ein Seminar, weil es für ihn eine einmalige Gelegenheit ist, junge Talente kennenzulernen und seine eigene spielerische Vielfalt weiterzugeben. Mit Klaus Doldingers Gruppe „Passport“ begann seine steile Karriere in Deutschland. Als Studiomusiker ist er inzwischen auch international auf mehr als 400 Alben zu hören.

„Der Bass ist in den vergangenen Jahren immer mehr in den Vordergrund gerückt.“, erläutert Wolfgang Schmid. „Die Instrumente sind besser geworden, gehen jetzt mit 5 Saiten in Melodiebereiche, die früher nur eine Gitarre hatte.“ Der Bass ist zum vollwertigen Instrument geworden, gibt nicht mehr nur das Begleitinstrument.

Bassband der Besten

Für Wolfgang Schmid sind klare Melodien wichtig. Darauf richtet er seine Studenten aus – und holt dabei die Talentiertesten zusammen: In Markneukirchen möchte er eine Bassband zusammenstellen. Sie soll am Ende des „Bass Camps“ unter seiner Leitung ein furioses Konzert geben.

Hobby und Profi

So verschieden wie die Dozenten sind auch die Studenten im „Bass Camp“. Ian Lewis ist Hobbymusiker aus der näheren Umgebung von Perth in Westaustralien, der vom „Bass Camp“ im Internet erfuhr. Seine Frau hatte ihm eine Bassgitarre geschenkt. In Markneukirchen lernt er jetzt, was er damit alles anstellen kann. Annika Strobel ist da schon weiter, studiert Bassgitarre in Stuttgart: „Ich will mein Geld als Bassistin verdienen, denn das ist meine große Leidenschaft!“ Und auch Profis wie Frank Lässig verfolgen die „Bass Camp“-Seminare aufmerksam. Er ist langjähriger klassischer Musiker an der Komischen Oper in Berlin und sieht sich als Anfänger auf der elektrischen Bassgitarre. „In der neueren Klassischen Musik ist es wie im Jazz“, sagt Lässig. „Die Bassgitarre und der Kontrabass sind ganz nach vorne gerückt.“ Beim „Bass Camp“ ist seine wichtigste Lektion, die Freude an der Musik nicht zu verlieren. „Einfach spielen. Egal auf welchem technischen Niveau man ist!“

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