BMW nennt es eine Revolution – Umweltverbände sind skeptisch

Mittwoch Vormittag lief im Leipziger BMW-Werk die Produktion des neuen i3 an. Es ist ein neu konzipiertes Elektroauto, was der Hersteller nicht weniger als „revolutionär“ beschreibt. Doch ist es das tatsächlich und was halten z.B. Umweltverbände von der Neuentwicklung?

Es war alles bereitet an diesem Vormittag im Leipziger BMW-Werk: eine neues Produktionsband, von dem der i3 künftig rollt, stolze Mitarbeiter in blauen Werksanzügen und jede Menge Politiker, die die Innovation in den höchsten Tönen loben. Und natürlich ein Hersteller, u.a. in Person von Manfred Erlacher, der von seinem neuen Produkt schwärmt. Den Absatzmarkt für den i3 sieht der BMW-Vorstand derzeit eher außerhalb Deutschlands.

„Schwerpunktmäßig wird das Fahrzeug in den großen, in den Megacitys benötigt werden und gekauft werden. Märkte, ob das in Peking ist, in New York oder Los Angeles, wo Elektroautos heute schon einen ganz anderen Stellenwert haben.“

BMW hat nach eigenen Angaben ca. 400 Millionen Euro investiert, kosten soll der i3 knapp 35.000 Euro. Das neue E-Modell soll nicht weniger sein als ein revolutionärer Schritt hin zu nachhaltiger Mobilität. Konzipiert wurde der i3 von Anfang an als ökologisches Elektrofahrzeug, von Bauteilen aus Hanf bis Sitzbezügen aus Bio-Wolle – und mit einem besonders geringen Gewicht von nur knapp 1200 Kilogramm, dank Karbon.

„Karbonteile, die sehr, sehr leicht sind, 50 Prozent leichter wie Stahl und 30 Prozent leichter wie Aluminium. Damit kompensieren wir das Gewicht der Batterien. Und dass wir Karbon industrialisiert haben, das ist glaube ich schon eine Revolution.“

Prinzipiell sieht das auch Werner Reh so, der Verkehrsexperte vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Allerdings kann das nur der Anfang sein in eine tatsächliche Elektromobilität – die Hersteller sind gefordert, weitere Schritte zu gehen.

„Was BMW macht ist in der Tat ein Fortschritt, ein Schritt in die richtige Richtung, bewundernswert und auch nicht unriskant. Natürlich muss man da noch eine ganze Ecke weitergehen. Die Fahrzeuge müssen viel leichter werden, eben nicht nur das Mehrgewicht der Batterie ausgleichen und dann macht Elektroauto und Elektroantrieb auch viel, viel mehr Sinn.“

Das Gewicht noch einmal um die Hälfte reduzieren wäre für Werner Reh eine tatsächliche Innovation. Mit wirklicher Leichtbauweise könnte dann mit der überschaubaren Elektroleistung viel weiter gefahren werden. Momentan schafft der i3 im Alltag mit voller Aufladung etwa 160 Kilometer. Auf jeden Fall sei die Entwicklung von BMW ein Signal, vor allem an die Politik, doch die reagiere bislang kaum.

„Die Politik in Deutschland folgt überhaupt nicht, hat überhaupt kein Konzept. Für BMW bleibt das ein Risiko, weil wenn sie da massiv investieren, müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen und die stimmen in Deutschland in keinster Weise.“

Kaum technikneutrale, staatliche Förderung, fehlende Energie- und Mobilitätskonzepte, kein Blick auf die Klimaschutzziele – wer auch immer die neue Bundesregierung stellt, so Experte Reh, müsse da schnell nachbessern.

„Und muss eben auch mit einem klugen Energiekonzept dahinter kommen, dass eben diese Elektroautos wirklich regenerative Energien fördern. Da muss, neben dem Energiewendekonzept, ein Verkehrswendekonzept her. Und dann macht das langfristig auch wirklich Sinn. Die nächsten paar Jahre wird das keine großen Beiträge zum Klimaschutz leisten, aber langfristig gesehen ist das schon ein wichtiger Baustein für eine Lösung“

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