Arte Yourope // Polnische Kredite

Im polnischen Breslau ist Protest angesagt. Die Demonstranten haben vor Jahren Kredite aufgenommenen - und sollen jetzt das Doppelte zurückzahlen. Das Problem: die Darlehen wurden nicht in der polnischen Währung Zloty ausgestellt, sondern in Schweizer Franken.

Im polnischen Breslau ist Protest angesagt. Die Demonstranten haben vor Jahren Kredite aufgenommenen – und sollen jetzt das Doppelte zurückzahlen. Das Problem: die Darlehen wurden nicht in der polnischen Währung Zloty ausgestellt, sondern in Schweizer Franken. Ein so genannter Fremdwährungskredit. Nur hat sich das Verhältnis von schweizer und polnischer Währung drastisch verändert. Und damit sind die Verbindlichkeiten immer größer geworden, denn zurückgezahlt wird in Zloty.

Robert Kowalski wehrt sich gegen die Forderung der Bank.

Robert Kowalski:

„Ich hoffe, dass es klappt die Kredite umzuwälzen, und dass wir nur so viel bezahlen müssen, wie wir auch als Kredit aufgenommen haben.“

Tatsächlich haben 700.000 Polen einen solchen Kreditvertrag unterzeichnet. In den 2000er Jahren boomten auf dem polnischen Markt die hochspekulativen Finanzprodukte. Die Banken machten scheinbar attraktive Angebote, niedrige Zinsen, bezahlbare Raten und vor allem: viel Werbung. Der Osten Europas wurde zum Spielfeld der internationalen Finanzwelt.

Robert Kowalski:

„Die Franken sind stärker geworden, der Wert hat sich fast um 100% erhöht, im Vergleich zu 2008. Außerdem hat uns die Bank immer von einem Risiko von plus minus 20% erzählt, von mehr war nie die Rede, wir wurden nicht darüber informiert, dass der Wert der Schweizer Franken sich verdoppeln könnte.“

Mit plus minus 20% wurde das Risiko bewertet. Eine grobe Fehleinschätzung, denn ein Fremdwährungskredit ist von den Wechselkursen abhängig. Und die schwanken nun einmal. Doch in der Verantwortung sehen sich die Banken nicht. Das Risiko tragen schließlich die Verbraucher.

Maciej Krzysztoszek, Polnische Finanzaufsicht:

„Jeder der sich für einen Kredit im Ausland entscheidet, der hat dann auch einen Vertrag unterschrieben, dass er das Risiko auf sich nimmt, dass der Wechselkurs schwanken kann. Das kann sich auch auf die Höhe Raten auswirken.“

Wer auf dem Finanzmarkt spekuliert kann verlieren oder gewinnen. Und gewinnen – das will auch Artur Roguski. Der 30-Jährige Medienprofi aus Warschau nimmt an Online-Seminaren teil, um die Bewegungen auf dem Finanzmarkt besser verstehen zu können und natürlich um möglichst viel Gewinn zu machen.

Um Spekulation ging es Robert Kowalski bei seinem Hypothekenkredit nicht. Er wollte einfach nur sein Eigenheim finanzieren. Das ist nun bei der Bank als Sicherheit für einen eventuellen Zahlungsausfall hinterlegt. Zahlt Kowalski nicht, verliert er sein zu Hause. Der Schuldenberg erdrückt die Familie – und die Bank verdient daran.

Robert Kowalski:

„Es reicht ja schon den Kurs zu vergleichen, bei der Bank, bei der wir den Kredit hatten wie der Kurs 2008 war und wie der Kurs heute ist, das zeigt am besten, wie viel die Banken an den Frankenkrediten verdient haben – ob 30 oder 40 Milliarden oder noch mehr.“

Übrigens: Fremdwährungskredite sind in Polen inzwischen verboten. Das angeblich so sichere Finanzprodukt enthielt dann wohl doch zu viele Risiken. Wirklich sicher scheint nur eines: Am Ende gewinnt fast immer die Bank.

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