25 Jahre Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig entstand im April 1992 in der vom Braunkohletagebau verschmutzten Region Leipzig-Halle. Seit 25 Jahren beschäftigt sich das Institut mit den Folgen der Umweltverschmutzung und ist heute wichtiger denn je, vor allem weil die USA ihre eigene Umweltforschung eindampft.

25 Jahre UFZ beim Deutschlandfunk

 

An der Versuchsanlage für Ökotoxikologie am Helmholtz–Zentrum für Umweltforschung, UFZ, in Leipzig. Hier fließt mit Schadstoffen versetztes Wasser in 47 kleine Gräben, in denen Wasser und Uferpflanzen wachsen. Matthias Liess und sein Team untersuchen in diesem Freilandlabor, inwieweit Pestizide Flora und Fauna im Flussbett schädigen.

„Wir haben festgestellt, wenn man hier Pestizide in sehr niedrigen Konzentrationen unterhalb des Trinkwassergrenzwertes hineinbringt, es doch starke Wirkungen auf die Organismen gibt. Das heißt, dass bestimmte empfindliche Organismen nicht vorkommen, wie Libellen zum Beispiel. Wenn sie im Gewässer nicht vorkommen können, dann ist die Selbstreinigungskraft des Gewässers vermindert, und das hat auch Folgen für die Wasserqualität.“

 

Professor Matthias Liess an der Fliess-Versuchsanlage

Professor Matthias Liess an der Fliess-Versuchsanlage des UFZ

 

690 Wissenschaftler, davon 250 Doktoranden, erforschen in Leipzig, Halle und Magdeburg die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur. Sie entwickeln z.B. eine Genanalyse mit dem Ziel, den illegalen Handel mit Schlangen zu unterbinden oder arbeiten an Verfahren, um aus Bakterien Wasserstofffabriken zur Energiegewinnung zu machen.

 

Die Schwerpunkte des UFZ haben sich verändert

 

Rund 65 Millionen Euro Etat hat das Umweltforschungszentrum, finanziert wird es zu 90 Prozent vom Bund. Den Rest steuern Sachsen-Anhalt und Sachsen bei. Hinzu kommen Projektmittel etwa aus Töpfen der EU.

Gegründet wurde das UFZ vor 25 Jahren – mitten im durch Braunkohle und Chemieindustrie stark verschmutzten Industriedreieck Leipzig-Halle-Bitterfeld. Eine bewusste Entscheidung, denn vorrangiges Ziel war es, vor Ort Konzepte für die Sanierung ehemaliger Tagebaue und kontaminierter Böden zu entwickeln.

Ein Vierteljahrhundert später hat sich die Ausrichtung des UFZ verändert. Es widmet sich inzwischen globalen Umweltthemen wie Biodiversität, erneuerbaren Energien oder dem nachhaltigen Management von Wasserressourcen. Georg Teutsch, der wissenschaftliche Geschäftsführer des UFZ, hält die Forschung zum Einfluss von Chemikalien auf die menschliche Gesundheit für besonders wichtig.

So würden etwa viele allergische Erkrankungen bei Kindern durch Schadstoffe in der Umwelt hervorgerufen.

„Beispiel leichtflüchtige organische Schadstoffe, wenn die Schwangeren anfangen, Kinderzimmer zu streichen, Wir stellen fest, dass einige Konservierungsstoffe in Cremes die entsprechende Wirkung haben auf das Übergewicht von Kindern. Das hat damit zu tun, dass der Mensch kleinen Dosen mit Langzeitwirkung ausgesetzt ist. „

 

Es geht nicht um reinen Umweltschutz

 

Rund 700 wissenschaftliche Arbeiten werden von den Umweltforschern pro Jahr publiziert, zudem berät das Institut zahlreiche nationale und internationale Umweltbehörden. Nicht einseitig aus reiner Umweltperspektive, betont Georg Teutsch, sondern mit Blick auf das große Ganze.

„Wir empfehlen Dinge, die sind nicht aus Sicht einer Bodenforschung, die nur die Fruchtbarkeit des Bodens anschaut, wir sind nicht aus der Sicht des Wassers, was nur Wasserqualität im Auge hat, wir schauen Systeme an. Das hat den Vorteil, dass die Dinge die wir dann heraus bekommen, nicht eben entsprechende Kollateralschäden haben.“
Die Forscher berücksichtigen also beispielsweise, welche Auswirkungen Maßnahmen zur Verbesserung der Bodenqualität auf das Grundwasser haben. Neben Naturwissenschaftlern arbeiten auch Umweltrechtler, Sozialwissenschaftler und Ökonomen am Umweltforschungszentrum.

Erklärtes Ziel des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung ist es, eine Balance zu finden zwischen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung auf der einen Seite sowie dem Schutz der Umwelt auf der anderen.

 

Umweltforschung am Scheideweg

 

International gesehen seien für die Umweltforschung allerdings schwierige Zeiten angebrochen, glaubt Georg Teutsch. Denn in den USA sänken die Forschungsausgaben unter Präsident Trump rapide.

 

„Die Themen werden leiden, die amerikanische Umweltbehörde spielt eine sehr große Rolle auch im internationalen Geschehen. Und wir sehen das mit großer Sorge, was da passiert. Und die europäischen Länder, denen bleibt nichts anderes übrig, als da tatsächlich eine Führungsrolle einzunehmen, die auf manchen Gebieten eher die Amerikaner hatten. Doch das obliegt jetzt uns.“

 

25 Jahre nach seiner Gründung ist das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung also wichtiger denn je, um die globalen Probleme von Umwelt und Gesellschaft zu meistern.

 

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